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Dienstag 06.01.2009
 
Geschäfte und Heilige Kühe
01-2007/1875
Quelle: Rheinische Post, Deutschland
Samstag, 20. Januar 2007 --- Geschäfte und Heilige Kühe. Mesegespräche, Vorträge und Verkehrschaos - von der Sechs-Millionen-Metropole Bangalore sehen die Mönchengladbacher Unternehmer und Wissenschaftler, die derzeit auf Dienstreise in Indien sind, wenig. Ein Erlebnisbericht aus Fernost von Michael Bröcker. Dass Bangalore zwei Gesichter hat, erfährt die Mönchengladbacher Reisegruppe abseits der MG Road. Plastikzelte stehen dort am Wegesrand. Vor dem Eingang kocht eine Inderin in traditionellem Gewand Reis auf einer offenen Feuerstelle, wie im 19. Jahrhundert. Sie gehört zu den "Unberührbaren", der ärmsten gesellschaftlichen Gruppe in Indien (Kasten wurden offiziell abgeschafft) und lebt von erbettelten 50 Rupien am Tag - einem Euro. Ein paar hundert Meter weiter glitzern die Bürotürme der Software-Giganten Oracle, Microsoft & Co. Bangalore ist IT-Hochburg. Und Maschinenbaustandort. Bosch lässt in riesigen Produktionshallen im Süden Einspritzpumpen fertigen. Auch das ist Bangalore. Ein Ort, wo Geschäfte gemacht werden. "Indien ist die Zukunft" Achim Schulz weiss das seit zwölf Jahren. Der Geschäftsführer des Giesenkirchener Kunststoffspezialisten Diamant Metallplastic bedient von Bangalore aus Gießereien, Autohersteller und Werkzeugmaschinenbauer in Asien. "Indien ist die Zukunft, vielleicht sogar mehr als China", glaubt er. Schulz hat die Reise organisiert und seine Partner aus Hochschule und Wirtschaft mitgenommen. Einer davon ist Dr. Andreas Straube. "Ich schaue mich nach indischen Partnern um, die unser Produkt vertreiben können", sagt der Geschäftsführer des Gladbacher Messtechnik-Anbieters Reorg. Von der Sechs-Millionen-Metropole Bangalore sieht er nicht viel. Firmenbesuche, Messegespräche und Präsentationen stehen auf dem Programm. Auch Professor Jürgen Büddefeld, Direktor des iNano-Institutes an der Hochschule Niederrhein, darf Ingenieuren an der renommierten Visveswaraiah Universität in Bangalore erklären, warum seine Hochtechnologie-Forschung in Indien gebraucht werden könnte. "Erste Kontakte habe ich", sagt er später zufrieden. Mehr ist ohnehin nicht Ziel der Reise, für die Achim Schulz vom Bundeswirtschaftsministerium Zuschüsse bekommen hat. Einen Auftrag erwartet keiner. Auch Schulz' eigene Produktideen, die er von Forschern der RWTH Aachen ausarbeiten lässt (das spart Kosten und gibt Zuschüsse wegen der privat-öffentlichen Partnerschaft), sind nicht marktreif. Immerhin: sein Konzept zur Erhaltung sanierungsbedürftiger Brücken liegt beim indischen Eisenbahnbundesamt. Für den Aachener Unternehmer Dr. Martin Düsterhöft, der ein emissions- und spritsparendes Modul für Diesel-Motoren entwickelt hat, läuft es noch besser. Die indischen Ingenieure sind begeistert. Kein Wunder. Die Stadt erstickt in Abgasen. Und täglich werden 1000 Autos neu zugelassen. Düsterhöfts' Produkt könnte nicht nur "Aufatmen" bringen, sondern auch Entlastung im Portmonee. Immerhin lässt ein indischer Facharbeiter ein Drittel seines Monatslohns von rund 200 Euro an der Tankstelle. Das Verkehrschaos löst das Problem aber nicht. Das liegt vielleicht auch an den Kühen, die sich hier nahtlos zwischen die Dreirad-Taxis und Autos einreihen. Die Tiere gelten in der Hindu-Religion als heilig und dürfen nicht angetastet werden. Das klappt nicht immer. Im Volksjargon heissen sie "Natural Brakes" - Naturbremsen. INFO Die Reise Teilnehmer u.a. Diamant Metallpalstic, RWTH Aachen, Hochschule Niederrhein, HuDe, Reorg Finanzierung Die Delegation wurde mit Mitteln aus dem Bundesministerium für Wirtschaft bezuschusst. Firma Die Diamant Metallplastic erzielt mit 25 Mitarbeitern einen Umsatz im zweistelligen Bereich. Lieber China als Indien (mibr) Bei Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus hatte Diamant-Geschäftsführer Achim Schulz natürlich auch vorgesprochen. Doch als Standort für ein Deutsch-Indisches Büro (IGO) sah Schückhaus Mönchengladbach nicht. Man wolle sich auf China und die Türkei konzentrieren, hieß es. Jetzt zieht das Büro, das als Verbindungsbüro zum Deutsch-Indischen Technologieinstitut (IGIT) in Bangalore gegründet werden soll, in das Büro des Wirtschaftsförderers nach Neuss. Der Neusser Landrat Professor Dieter Patt, der mit dem Wirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz und IHK-Chef Wilhelm Wehrhahn in Indien ist, besucht heute das IGIT in Bangalore.