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Dienstag 06.01.2009
 
Fühler nach Indien ausstrecken
06-2007/1897
Quelle: Maas-Rhein-Zeitung
1. Rhein-Indien-Tag:
MAAS RHEIN. Die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Auch Mittelständler zieht es immer stärker über die Landesgrenzen hinaus in die Ferne. Die Mönchengladbacher Firma Diamant Metallplastic hat sich Indien als einen der wichtigsten Absatzmärkte der Zukunft ausgeguckt. Um die Kontakte nach Indien zu intensivieren, hat die Firma mit zahlreichen Partnern, wie beispielsweise der RWTH Aachen, der TU Braunschweig oder der Hochschule Niederrhein, den ersten „Rhein-Indien-Tag“ ins Leben gerufen, der in Mönchengladbach stattfand.
Diamant zählt zu den Spezialanbietern im Bereich der Metallerhaltung, -reparatur und -optimierung. „Wir sehen in Indien unsere Marktchance. Dort werden unsere Produkte in Zukunft verlangt. In Deutschland gibt es für uns in Zukunft nicht mehr so viel Potenzial“, erläutert Geschäftsführer Achim Schulz (Foto 5.v.r. vorne) die Beweggründe. Die für ihn wichtige Automobilbranche sieht er in Deutschland - auch durch das Drängen von chinesischen Billiganbietern auf den europäischen Markt - unter Druck. In Übersee wittert Schulz dagegen großes Potenzial. Ein Projekt, das auf dem „Rhein-Indien-Tag“ mit maßgeblicher Unterstützung der TU Braunschweig und der RWTH Aachen festgezurrt worden ist, nennt sich „ConstruVation“. Hierbei geht es um die Erforschung neuer polymerer Metalle und die Entwicklung von Füge- und Riegeltechniken, um alte Stahlkonstruktionen -wie zum Beispiel Brücken - optimal zu erhalten, ohne die Konstruktionen großartig zu ändern. Die Projektpartner wollen nun eine solche Technik zur Marktreife bringen und diese könnte dann in Indien in großem Stil zum Einsatz kommen. Gerade dort gibt es nämlich eine ganze Reihe solcher alter Konstruktionen. „Wir sind zuversichtlich, durch die Erfahrung der Firma Diamant und der beteiligten Institute hierfür eine geeignete Lösung zu finden“, sagte Professor Stefan Böhm von der TU Braunschweig.
Von indischer Seite gebe es Absichtserklärungen, eine Anwendung dieser Technik zu prüfen, sobald die Entwicklung abgeschlossen ist. H.N. Chatterjee, Koordinator der RWTH Aachen verriet, dass Indian Railway großes Interesse an dem Projekt habe, um damit die zahlreichen Eisenbahnbrücken zu sanieren. „Institute-Industry-Interaction“, also eine Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie, werde immer wichtiger, betonte Chatterjee.
In einem weiteren Projekt ging es um das Zukunftsfeld Nanotechnik. „Wir wollen hier stärker aktiv werden“, sagte Achim Schulz. „Wir sind dabei, Kooperationen zu schmieden. Wir wollen die Erkenntnisse der Institute unter Einsatz unserer Produkte ver-markten.“ Dabei denkt er vor allem an die Hochschule Niederrhein in Krefeld. Unter dem Projektnamen „actWina“ sollen die Ideen der Hochschule den Weg in den Markt finden. „Es sind noch einige Hürden zu nehmen“, verriet Professor Jürgen Büddefeld von der Hochschule Niederrhein. „Aber wir möchten unsere Ideen mit der Industrie zusammen weltweit vermarkten“.
„Sehr zufrieden“ war Achim Schulz am Ende der Veranstaltung. „Wir haben viel Zeit inves- tiert, um ein Netzwerk aufzubauen und eine solche Veranstaltung auf die Beine stellen zu können. Glück und Zähigkeit waren dabei ganz wichtige Faktoren. Alle Projekte, die auf der Agenda standen, sind auf den Weg gebracht worden.“ Die Nähe zu den Hochschulen sei für seine Firma von hohem Nutzwert, da er so frühzeitig an interessante Informationen komme, die es sonst noch nirgendwo gebe.
Ein Wermutstropfen gibt es aber doch. Während der Rhein-Kreis Neuss das Angebot gerne annahm und als Projektpartner einsprang, klinkte sich die Stadt Mönchengladbach völlig aus. Für viele Beteiligte war dies überraschend und sicherlich auch enttäuschend. Achim Schulz wollte dies nicht kommentieren und biss sich lieber auf die Zunge. THORSTEN GÖRTZ, www.maas-rhein-zeitung.de